Stets dynamisch und offen in viele Richtungen evoziert die Musik von House of Mirrors (deutsch etwa: “Spiegellabyrinth”) ein quasi mittelalterliches Labyrinth, ja zieht den Hörer mit der unwiderstehlichen Kraft eines Wirbelsturms hinein in einen Sound-Garten, der eine Myriade von Tönen und Timbres erschafft und diese in einem nächsten Schritt noch einmal unendlich vervielfacht, um sie dabei gleichzeitig zu fragmentieren und resequenzieren wie die verflixte DNA eines verdammten Teufels. Sophie Tassignons und Peter Van Huffels Klanggebilde bewegen sich an der Schnittstelle von Jahrhunderte alten Traditionen und spontaner Impulsivität. Ihre Musik handelt – vielfach gebrochen und reflektiert – von der Welt außerhalb unserer selbst und der Welt in uns. Gemeint ist bei House of Mirrors „Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt“ nach einem legendären frühen Roman des berühmten deutschen Schriftstellers Peter Handke. Draußen flattern die “Blätter” und wollen als dringliche Hinweise gelesen werden, die warnen vor dem verstohlenen Herannahen eines Feindes und eine Stille weissagen, die sowohl friedlich als auch atemberaubend ist.

Drinnen, da steckt Jazz, aber auch Kammermusik des 20. Jahrhunderts, die an Schönberg und Webern erinnert, und die kontrapunktische freie Improvisation von Free Jazz-Helden vom Rang eines Derek Baileys, Evan Parkers oder Alexander von Schlippenbachs. Die alten Steine in diesem Garten nehmen den gerissenen Faden der Geschichte bei lang verlorenen osteuropäischen Folk-Melodien wieder auf, beziehen sich aber auch auf das jazzig unterhaltsame Weimarer Kunstlied von Bert Brecht und Kurt Weill und erzählen gleichermaßen Geschichten aus der hoch entrückten Welt der Baumkronen und der tiefsten Tiefe, dort wo die Erdgeister wohnen.

Im Vordergrund steht Peter Van Huffels Saxophon und Klarinetten, sein schier endlosen Fluss von Ideen, und die Stimme der Sängerin Sophie Tassignon. Sie singt mit einer Stimme, die man nicht mehr so schnell wieder vergessen wird. Es ist eine klassisch pure, kristalline Stimme , die bald Gift und Galle sprüht, zwischen Hexennatur und Unschuld vom Lande mäandert, manchmal wie die Stimme einer Mutter klingt und dann wieder wie die eines Kindes oder uns einfach faszinierende Geschichten in allen möglichen denkbaren Sprachen erzählt. Ein knallharter Bass im pas de deux mit dem Piano kitzeln des Hörers Fleisch wie eisige Sterne, vereinigen und kräuseln sich wie die Rauchringe einer vor sich hin qualmenden Zigarette, während sich die Melodien entfalten, die Harmonien vervielfachen, die Rhythmen zum Tanzen beginnen in einer Explosion juwelengleicher Tonscherben. Mit Sophie Tassignon und Peter Van Huffel spielen der Bassist Miles Perkin und die Pianistin Julie Sassoon – beide mehr als nur virtuos, beide mit vielen Ideen und Techniken – und Ohren, die sich wunderbar eingestellt haben auf die lodernde Ofenglut, die dieses „Spiegelkabinett“ von Innen ebenso erhitzt wie hell erleuchtet.House of Mirrors fürchten sich niemals vor den Zumutungen der Stille – und ihre Eingebungen und spontanen Richtungsentscheidungen sind künstlerische Praktiken, die an keiner Jazzhochschule auf dem Lehrplan stehen. Und gerade aus dieser faszinierenden unberechenbaren Augenblickskunst erwächst die Schönheit ihrer Musik. Die Kompositionen von Sophie Tassignon und Peter van Huffel lösen sich auf, rotieren und verdunsten wie Wasser in der gleißenden Wüstensonne, wie manche hauchzarte Wolken am Himmel. Diese Musik wird sich mit Ihnen bewegen, in Ihnen bewegen – oder sich auf Sie zu bewegen – und dabei bald wie aus dem Nichts geboren eine feste, greifbare Aggregatsform annehmen, kann allerdings genauso leicht wie sie entstanden ist wieder wie eine Seifenblase zerplatzen und unversehens wieder zu einem staubigen Nichts werden.

Weitere Informationen:

http://www.reverbnation.com/houseofmirrorsmusic

http://www.sophietassignon.be/

http://www.petervanhuffel.com/

http://www.juliesassoon.com/

http://www.meinradkneer.eu/

 

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